
Gutstour für Genießer
Baltendeutsche Gutsherren waren für Gastfreundschaft bekannt. Wie verwöhnen heutige Gutsherren und Akteure ihre Gäste?
Die estnische Gutshofkultur entwickelte sich im Mittelalter, als die Gutshöfe sowohl wirtschaftlich als auch kulturell das Zentrum des lokalen Lebens bildeten. Sie gehörten überwiegend dem baltendeutschen Adel, der die Architektur, Kunst und Traditionen der Region nachhaltig prägte.
In Estland gibt es über 1000 historische Gutshöfe, von denen viele erhalten geblieben oder restauriert worden sind und unterschiedliche Architekturstile wie Barock, Klassizismus und Historismus repräsentieren. Die Gutshöfe waren meist von weitläufigen Parkanlagen umgeben. Die erhaltenen oder wiederhergestellten prächtigen Herrenhäuser und Wirtschaftsgebäude zeugen vom einstigen Reichtum und Lebensstil. Die estnischen Gutshöfe waren zudem bedeutende Zentren für Bildung und Innovation: Hier befanden sich Schulen, und die landwirtschaftliche Entwicklung wurde vorangetrieben. Heute bieten die Gutshöfe die Möglichkeit, Geschichte zu erleben, kulturelle Veranstaltungen zu genießen sowie Ruhe und Erholung zu finden.
Das erwartet Sie auf der Reise
- Highlights der Route: Gut Annia (Anija), die Schnapsbrennerei des Guts Habbat (Habaja), Gut Rayküll (Raikküla), Naturresort Maidla auf dem Gut Maidel (Maidla), Gut Kirna (Kernu), Gut Lückholm (Saare), das Kunstzentrum Käesalu im Gut Kaesal (Käesalu), Schloss Fall (Keila-Joa).
- Länge der Route: Bei Besuch aller Stationen beträgt die Strecke ca. 380 km.
- Dauer: 2–3 Tage in gemächlichem Tempo
- Besuchszeit: Ganzjährig; in der Nebensaison können die Öffnungszeiten verkürzt sein oder Besuche sind nur nach Voranmeldung möglich.
- Anreise: mit dem Auto oder einem Fahrer.
- Startpunkt: Tallinn
- Nachhaltigkeit: Die Tour bewahrt kulturelles Erbe, lenkt Gäste auf weniger frequentierte Wege, ist ganzjährig erlebbar und stärkt durch regionale Gastronomie sowie sanfte Renovierung die lokale Wirtschaft.
Von baltendeutscher Gastfreundschaft zu zeitgenössischen Genüssen und Gutskomfort
Nur eine halbe Stunde von Tallinn entfernt empfängt das 600 Jahre alte Gut Annia (Anija) seine Gäste mit einem würdevoll restaurierten Herrenhaus und einer eindrucksvollen Dauerausstellung, die sowohl mit Audioguide als auch mittels Virtual-Reality-Technologie erkundet werden kann. Ein Spaziergang entlang des zwei Kilometer langen Sinnespfads im Gutspark bietet einen beruhigenden Auftakt für die gesamte Reise. Im romantischen Interieur des Gutshofcafés Anija mõisakohwik verbinden sich lokale estnische Aromen mit Nuancen der mediterranen Küche, während im Handwerksraum die Werke regionaler Kunsthandwerker zu bewundern sind.
Nach kurzer Fahrt erreicht man die Schnapsbrennerei Habaja des Guts Habbat, ein Industriegebäude aus dem 19. Jahrhundert, das heute als Familienbetrieb neues Leben erhalten hat. In der warmen Jahreszeit lässt sich ein Glas Wein auf der Sonnenseite des Gebäudes unter Weinranken genießen, während man in der kalten Saison im warmen Kerzenlicht die Schneeflocken hinter dem Fenster betrachtet. Nach Voranmeldung ist die Teilnahme an einer Führung durch die Produktion sowie an einer Verkostung möglich, bei der Beerenweine und Craft-Getränke hervorragend mit im Steinofen gebackenen Pizzen harmonieren.
Eine der luxuriösesten Stationen der Route ist das Naturresort Maidla auf dem Gelände des historischen Guts Maidel (Maidla), das Ruhe, Stille und ästhetisches Vergnügen bietet. Auf Voranmeldung kommen Sie in den Genuss der hochgelobten Küche des Restaurants SOO und der zugehörigen Führung durch das Gut. Liebhaber von Luxus und Zurückgezogenheit haben zudem die Möglichkeit, in einer der privaten Naturvillen Poku, Kaseke oder Käbi zu übernachten und die Eindrücke Revue passieren zu lassen.

Urheber des Bildes: Karl Markus Antson
Lebendige Gutsgeschichten, Poststationen und aristokratische Entspannung
Das im Kreis Rapla gelegene Gut Rayküll (Raikküla) zählt zu den schönsten Beispielen klassizistischer Architektur in Estland. Hier beschränkt sich der Besuch nicht auf Mauern und Kronleuchter: Erzählt werden Geschichten von Menschen, Bräuchen und vergangenen Epochen. Die Gutsherren teilen mit großer Leidenschaft ihr Wissen über Gutskultur, Innenausstattung und seltenes antikes Mobiliar, das im Kastellsaal des Herrenhauses ausgestellt ist. Wer bei Namen wie Bach, Darwin oder Bismarck aufhorcht, entdeckt hier überraschende Zusammenhänge.
Einen historischen Zwischenhalt bietet das Postgut Ruunawere, von dem aus bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts gute Wünsche auf die Reise geschickt wurden. Hier kann man tatsächlich eine Postkarte schreiben, frankieren und die Romantik des entschleunigten Reisens erleben. Anschließend laden Spa und Saunalandschaft zur Erholung ein, ergänzt durch ein Restaurant mit heimischer Atmosphäre, in dem regionale Spezialitäten neue Energie schenken. Wer müde ist oder länger verweilen möchte, kann im Hotel des Postguts übernachten.
Den gedanklichen Höhepunkt des Tages bildet das Gut Kirna (Kernu), ein elegantes Herrenhaus am Ufer eines malerischen Sees. Das im Gutskeller gelegene Kellerspa bietet wohltuende Sauna- und Spaerlebnisse. Im Sommer laden Ruder- und Tretboote auf dem Teich zur Bewegung ein, während im Winter ein Kaltwassererlebnis besonders Mutige anspricht. Gut Kirna ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer zu vergehen scheint – ideal, um am nächsten Morgen mit dem Gefühl aufzuwachen, selbst Gast des Herrenhauses zu sein.
Urheber des Bildes: Anni-Vahter
Impulse der Kreativität: Kunstgüter, Küstenkultur und ein Schloss am Wasserfall
Der folgende Abschnitt der Route ist der Kreativität, der Natur und der romantischen Architektur gewidmet.
Das Gut Kaesal (Käesalu) und das dort beheimatete Kunstzentrum verbinden auf einzigartige Weise Geschichte und zeitgenössische Kreativität. In dem seit dem 17. Jahrhundert kaum veränderten, noch nicht restaurierten Gebäude ist der authentische Charakter spürbar: Der säulengerahmte Haupteingang, der von Blumen gesäumte Park und die ruhige Atmosphäre vermitteln den Eindruck, in einem Künstlerlandhaus angekommen zu sein. Die in der Orangerie untergebrachte Galerie zeigt Ausstellungen und bietet kreative Workshops, bei denen auch zufällige Besucher neue Perspektiven entdecken können. Nicht selten begegnet man während des Besuchs der Eigentümerin oder dem Eigentümer des Guts – beim Kaffeeservieren, bei der Gartenarbeit oder im Gespräch mit Gästen über Kunst.
In der Frühjahrs- und Sommersaison führt die Gutstour weiter an die Westküste Estlands, auf die Halbinsel Noarootsi. Der Gutshof Lückholm (Saare), der in der warmen Jahreszeit seine Türen öffnet, wirkt mit seiner zurückhaltenden Eleganz wie ein idealer sommerlicher Rückzugsort. Im Café werden Speisen aus regionalen Zutaten serviert, und die Übernachtungsmöglichkeit im Gästehaus vermittelt das Gefühl, bei entfernten Verwandten zu Gast zu sein. Das im ehemaligen Pferdestall untergebrachte Lyckholm-Museum eröffnet einen Einblick in die vielschichtige Geschichte Noarootsis und präsentiert Arbeitsgeräte aus dem häuslichen Alltag vergangener Zeiten.

Urheber des Bildes: Wilhelmina Varik
Den Abschluss der Reise bildet Schloss Fall (Keila-Joa), das malerisch an einem schnell fließenden Fluss und am Keila-Wasserfall liegt. Das neugotische Schloss und der umliegende Park wirken wie eine Szene aus einem romantischen Roman. Der historische Ausstellungssaal führt den Besucher in vergangene Zeiten zurück, während das Boutiquehotel Schloss Fall luxuriöse Übernachtungsmöglichkeiten bietet und die Eleganz der Alten Welt mit modernem Komfort verbindet. Der Keila-Wasserfall und Spaziergänge durch den Park setzen einen ruhigen, nachdenklichen Schlusspunkt unter diese kulturelle Reise durch die estnische Gutshoflandschaft.
Entdecken Sie die faszinierendsten Gutshöfe – in Ihrem eigenen Tempo und Rhythmus.
Vergessen Sie die üblichen Sehenswürdigkeiten und gönnen Sie sich eine besondere Reise, die Geschichte, Eleganz und Erlebnisse vereint. Kosten Sie, übernachten Sie, gestalten Sie und genießen Sie – jede Station ist eine Entdeckung für sich. Begeben Sie sich noch heute auf diese Gutstour.
Last updated
19.12.2025