Der Nationalpark KarulaUrheber des Bildes: Mati Kose
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Der Nationalpark Karula

Karula ist der kleinste der sechs Nationalparks Estlands, muss sich aber keinesfalls verstecken.

Der Nationalpark Karula liegt ganz im Süden Estlands, verteilt über die Landkreise Valgamaa und Võrumaa. Auf seinen rund 123 Quadratkilometern zeigt er eindrucksvoll, was die letzte Eiszeit in der Landschaft hinterlassen hat. Vor mehr als 10.000 Jahren formten Gletscher und Schmelzwasser die charakteristischen Kuppelhügel, zwischen denen sich heute Wälder, Wiesen, Moore und zahlreiche Seen verteilen.

Karula ist damit vielleicht Estlands kleinster Nationalpark – landschaftlich ist er aber ausgesprochen abwechslungsreich.

Seen, Wälder und Kuppelhügel – die Landschaft von Karula

Wer durch Karula fährt oder wandert, merkt schnell, dass hier kaum etwas eben ist. Kleine, dicht beieinanderliegende Hügel wechseln sich mit Senken, Mooren und Seen ab. Rund 60 Seen liegen in der Karula-Hochebene; etwa 40 davon befinden sich innerhalb des Nationalparks.

Fast 70 Prozent des Schutzgebietes bestehen aus weitgehend unberührter Natur. Gleichzeitig ist Karula aber auch eine jahrhundertealte Kulturlandschaft. Wiesen, Weiden, alte Bauernhöfe und Wirtschaftsgebäude erzählen davon, wie Menschen diese Region über Generationen genutzt haben, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu zerstören.

Besonders schön lässt sich das Zusammenspiel von Natur und Kulturlandschaft von den höher gelegenen Punkten des Parks erleben. Über den bewaldeten Kuppelhügeln öffnen sich immer wieder weite Ausblicke – und zwischen ihnen blitzen kleine Seen hervor.

Nationalpark Karula

Urheber des Bildes: Amadvr

Ähijärv – ein guter Startpunkt für Karula

Der größte See des Nationalparks, der Ähijärv, liegt mitten im Schutzgebiet und ist der ideale Ausgangspunkt für eine Entdeckungstour. Direkt am See befindet sich das Besucherzentrum des Nationalparks. Hier erhalten Sie Informationen über Wander- und Radwege, Rast- und Zeltplätze sowie die Natur und Kultur der Region.

Vom Besucherzentrum starten mehrere Touren: Der vier Kilometer lange Ähijärve-Naturpfad eignet sich für einen ersten Eindruck, während der 36 Kilometer lange Karula-Wanderweg deutlich tiefer in den Nationalpark hineinführt. Radfahrer können zwischen kürzeren und längeren Routen wählen.

Und wer wirklich große Pläne hat: Am Ähijärv beginnt beziehungsweise endet auch die 820 Kilometer lange RMK-Fernwanderroute Peraküla–Aegviidu–Ähijärve, die Estland einmal quer durchzieht.

Karula zu Fuß und mit dem Fahrrad entdecken

Karula ist wie gemacht dafür, langsam erkundet zu werden. Wanderwege führen durch Wälder und über alte Bauernlandschaften, vorbei an Seen, Feuchtgebieten und den typischen Kuppelhügeln. Besonders reizvoll ist beispielsweise der Landschaftspfad Rebäse, der durch historische Kulturlandschaft, an alten Hofstellen und einer ehemaligen Wallburg vorbeiführt.

Noch mehr von Karula lässt sich auf zwei Rädern entdecken. Kleine Straßen und Waldwege ziehen sich kreuz und quer durch die Hügellandschaft – allerdings sollte man ein wenig Kondition mitbringen. Was auf der Karte nach einer gemütlichen Runde aussieht, kann in Karula überraschend viele Höhenmeter bereithalten.

Dafür wird man immer wieder mit Ausblicken belohnt, für die es sich lohnt, kurz vom Rad zu steigen.

Entdecken Sie den Karula Nationalpark

Am besten kann man den Nationalpark Karula auf dem Fahrrad erkunden. Am größten See der Region, Ähijärve, unterhält der Park ein Besucherzentrum.

In Karula ist kein einziger Straßenabschnitt gerade

Na gut – vielleicht findet sich irgendwo doch einer. Aber zumindest fühlt es sich nicht danach an.

Die kleinen Straßen schlängeln sich um Hügel, Seen und feuchte Senken und folgen damit einer Landschaft, die seit der letzten Eiszeit ihre eigenen Regeln vorgibt. Das macht Wege manchmal etwas länger, aber meistens auch erheblich schöner.

Hinter der nächsten Kurve wartet vielleicht ein stiller See, ein alter Bauernhof oder plötzlich ein weiter Blick über die bewaldeten Hügel. Karula ist deshalb kein Nationalpark zum schnellen Abhaken. Die Landschaft sorgt schon ganz von selbst dafür, dass man das Tempo reduziert.

Eine alte Kulturlandschaft mitten in der Natur

Karula schützt nicht nur Wälder, Seen und seltene Tiere. Rund 30 Prozent des Nationalparks sind Kulturlandschaft, die durch jahrhundertelange bäuerliche Nutzung entstanden ist.

Bei Wanderungen begegnen Ihnen alte Hofstellen und Wirtschaftsgebäude, traditionelle Wiesen und Weiden sowie Spuren noch viel älterer Besiedlung. Auf dem Landschaftspfad Rebäse beispielsweise führt der Weg an einer Wallburg und Siedlungsspuren aus der Eisenzeit vorbei.

Bis heute werden in der Region Traditionen gepflegt, die eng mit der Kultur Südestlands verbunden sind. Dazu gehört die Võro-Sprache ebenso wie die berühmte Rauchsauna-Tradition von Vana-Võromaa, die von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde.

Wildnis mit Fischadler, Schwarzstorch und Luchs

Nahezu die Hälfte des Nationalparks bildet ein einziges zusammenhängendes Waldgebiet. Entsprechend vielfältig ist seine Tierwelt. Elche, Rehe und Wildschweine leben hier ebenso wie Luchse und Wölfe – auch wenn sich die scheuen Bewohner des Waldes Besuchern natürlich nicht unbedingt auf Bestellung präsentieren.

Wer den Blick nach oben richtet, hat ebenfalls einiges zu entdecken. In Karula leben unter anderem Fisch- und Schreiadler sowie der seltene Schwarzstorch. Der Fischadler ist mit seiner markanten hell-dunklen Zeichnung besonders gut zu erkennen. Rund um die Seen findet er ideale Bedingungen für seine spektakulären Jagdflüge.

Zu den geschützten Bewohnern des Nationalparks gehören außerdem Zauneidechse und Knoblauchkröte; auch seltene Pflanzenarten finden in den unterschiedlichen Lebensräumen Karulas Rückzugsgebiete.

Aktivitäten rund um Karula

Ein Nationalparkbesuch lässt sich gut mit weiteren Erlebnissen in Südestland verbinden. Kleine Produzenten, Bauernhöfe und Gastgeber machen die Region auch kulinarisch interessant. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann deshalb aus dem Naturausflug problemlos eine kleine Entdeckungsreise durch den estnischen Süden machen.

In der Nähe des Nationalparks Karula:

Urheber des Bildes: Rivo Veber

TOP Aktivitäten:

  • Ähijärv entdecken: Wandern Sie am größten See des Nationalparks, gehen Sie baden oder genießen Sie einfach die Ruhe am Wasser.
  • Durch die Kuppellandschaft von Kaika wandern: Hier zeigt sich die für Karula typische Eiszeitlandschaft besonders eindrucksvoll.
  • Aussichten genießen: Von den höher gelegenen Punkten rund um Rebasemõisa und die Kaika-Hügel eröffnet sich der Blick über die wellige Landschaft Südestlands.
  • Karula mit dem Fahrrad erkunden: Waldwege und kleine Straßen führen zwischen Seen, Bauernlandschaften und bewaldeten Hügeln hindurch.
  • Karula im Winter erleben: Unter einer Schneedecke wird Estlands kleinster Nationalpark besonders still. Dann gehören die Wege Langläufern, Winterwanderern – und allen, die für eine Weile möglichst wenig hören möchten.

Sauna und Rauchsauna in Estland – eine ganz besondere Tradition

Die Sauna-Tradition ist tief in der estnischen Kultur verwurzelt; sie ist ein wichtiger Teil der Identität des Landes.

Sauna und Rauchsauna in Estland – eine ganz besondere Tradition

Urheber des Bildes: Tõnu Runnel

Valga und Võru – zwei gute Ausgangspunkte für Karula

Wer tagsüber die Ruhe des Nationalparks genießen, abends aber lieber in einer Stadt übernachten möchte, hat gleich zwei Möglichkeiten. Karula liegt zwischen Valga und Võru; beide Städte bieten Unterkünfte, Restaurants und eine gute Basis für weitere Ausflüge durch Südestland.

Võru liegt östlich des Nationalparks am Tamula-See. Die gemütliche Kleinstadt mit ihrer Uferpromenade, Cafés und Restaurants eignet sich besonders gut für alle, die anschließend noch tiefer in den Südosten Estlands reisen möchten. Gleichzeitig bleibt man mitten in Vana-Võromaa – jener Kulturregion, deren Sprache und Rauchsauna-Tradition einem bereits in Karula begegnen.

Valga liegt südwestlich des Nationalparks direkt an der lettischen Grenze. Gemeinsam mit dem unmittelbar angrenzenden Valka bildet es eine außergewöhnliche Doppelstadt: Mitten im Ort können Sie zu Fuß von Estland nach Lettland spazieren. Wer seine Estlandreise anschließend Richtung Riga oder in den lettischen Gauja-Nationalpark fortsetzen möchte, ist hier also besonders gut aufgehoben.

Die Entscheidung ist damit fast schon eine Frage der weiteren Reiseplanung: Võru führt tiefer hinein nach Südestland, Valga weiter Richtung Lettland – und Karula liegt wunderbar dazwischen.

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